AIDAsol Ahoi-Tour: Warnemünde-Göteborg

Eigentlich hatten wir unsere erste Kreuzfahrt schon deutlich früher geplant. Genau genommen sollte es bereits 2020 mit der AIDAnova losgehen. Die Vorfreude war damals riesig, denn für uns war Kreuzfahrt bis dahin vor allem ein Thema, das man aus Videos, Reiseberichten und Erzählungen kannte. Dieses Gefühl, morgens aufzuwachen und an einem anderen Ort zu sein, der Blick aufs Meer, das Ablegen aus dem Hafen, das Essen, das Schiff als schwimmendes Hotel – all das hatte uns schon lange gereizt.
Dann kam Corona und machte aus der geplanten Reise erst einmal ein großes Fragezeichen. Wie bei so vielen anderen wurde aus Vorfreude erst Unsicherheit, dann Verschiebung und irgendwann auch ein wenig Frust. Umso größer war bei uns der Wunsch, endlich wieder etwas zu erleben. Da unser Sohn schon länger gerne einmal mit auf ein AIDA Schiff wollte und meine Frau noch Sommerurlaub hatte, entschieden wir uns für eine kleine Schnupper-Kreuzfahrt über vier Tage. Kein riesiger Urlaub, kein großer Rundumschlag, sondern ein erster Test: Passt Kreuzfahrt überhaupt zu uns? Fühlen wir uns an Bord wohl? Und wie läuft so eine Reise in einer Zeit, in der Corona noch überall mitreist?
Als Ziel wählten wir Göteborg in Schweden. Eine Route, die für den Einstieg perfekt klang: Abfahrt in Warnemünde, ein Tag in Göteborg, ein Seetag und dann wieder zurück. Kurz genug, um es einfach auszuprobieren, aber lang genug, um echtes Kreuzfahrtgefühl zu bekommen. Alle Informationen, Details zur Reise und auch die Kosten hatten wir in einem gesonderten Artikel zusammengefasst. In diesem Reisebericht soll es dagegen um das Erlebnis gehen: die Anreise, die ersten Schritte auf der AIDAsol, den Landgang in Göteborg, die besonderen Momente auf See und natürlich unser Fazit.
24 Stunden vor dem Check-in auf der AIDAsol mussten wir noch einen Corona-Schnelltest machen. Dafür hatten wir in unserer lokalen Apotheke einen Termin vereinbart. Heute wirkt das rückblickend fast schon wie ein kleines Zeitdokument, aber damals war das einfach Teil der Reiseplanung. Man packte nicht nur Koffer, Ladegeräte und Sonnencreme ein, sondern hatte auch immer Tests, Formulare, Nachweise und Regeln im Kopf.
Wir wurden alle drei negativ getestet. Dieser Moment war tatsächlich schon die erste kleine Erleichterung. Natürlich war die Reise damit noch nicht endgültig sicher, denn später sollte ja noch ein PCR-Test am Cruise Center folgen. Aber zumindest war klar: Wir konnten uns auf den Weg machen, ohne direkt vor dem Start eine böse Überraschung zu erleben. In voller Vorfreude ging es nach Hause und dort blieben wir dann auch. Man wollte sich nach dem Test ja nicht noch irgendwo unnötig einem Risiko aussetzen. Also: Koffer kontrollieren, Reiseunterlagen sortieren, Kameraakkus laden und innerlich langsam in den Urlaubsmodus wechseln.
Anreise mit Schwierigkeiten
Die Vorfreude bekam allerdings schon am Abend vor der Abreise einen kleinen Dämpfer. In den Nachrichten liefen Berichte über die schweren Unwetter im Ruhrgebiet und in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Bilder waren schockierend. Straßen unter Wasser, zerstörte Orte, gesperrte Strecken – und wir saßen zuhause mit unseren gepackten Koffern und fragten uns, ob unsere Bahnfahrt nach Warnemünde am nächsten Tag überhaupt funktionieren würde.
Wir hatten uns bewusst für die Anreise mit der Bahn entschieden. Warnemünde ist mit dem Zug grundsätzlich gut erreichbar und eigentlich klang der Plan ziemlich entspannt: einsteigen, umsteigen, ankommen, Schiff sehen. Kein Parkplatzstress, keine lange Autofahrt, keine zusätzliche Übernachtung. Aber genau dieser Plan wirkte plötzlich ziemlich wackelig. Gerade bei einer Kreuzfahrt ist eine verspätete Anreise einfach ein ganz anderes Thema als bei einem normalen Hotelurlaub. Das Schiff wartet nicht, nur weil die Deutsche Bahn mal wieder kreative Fahrpläne produziert.
Unsere Sorge war also durchaus begründet. Kaum waren wir am nächsten Tag am Bahnhof angekommen, kam eine Nachricht nach der anderen: Züge fallen aus, andere Züge haben 90 Minuten oder mehr Verspätung, Verbindungen ändern sich. Dann hieß es auch für unseren Zug: 45 Minuten Verspätung. In dem Moment war klar, dass wir unseren Anschlusszug in Berlin sehr wahrscheinlich nicht mehr erreichen würden. Und damit rückte auch unser Check-in-Termin gefährlich nahe.
Meine Frau war den Tränen nahe, hat aber sofort umgeschaltet und ist zum Schalter gegangen, um eine Lösung zu finden. Genau solche Momente zeigen, wie viel Spannung in so einer Reise stecken kann, bevor man überhaupt das Schiff gesehen hat. Man steht da mit Koffern, Kind, Unterlagen, Erwartungen und plötzlich hängt alles an einer Verspätungsanzeige.
Dann kam die erste Erleichterung: Die Verspätung wurde von 45 auf 25 Minuten reduziert. Das klingt auf dem Papier nicht nach viel, aber in dem Moment war es ein echter Lichtblick. Zusätzlich wurde die Zugbindung aufgehoben. Wir konnten also jeden Zug nehmen, der uns irgendwie näher an unser Ziel brachte. Mit knapp 25 Minuten Verspätung stiegen wir schließlich in unseren ICE und steuerten Berlin an. Ab da entspannte sich die Lage langsam. Nicht komplett, aber zumindest so weit, dass wir wieder daran glauben konnten, die AIDAsol tatsächlich rechtzeitig zu erreichen.
In Berlin angekommen, waren wir erst einmal überwältigt vom Hauptbahnhof. Wer den Berliner Hauptbahnhof kennt, weiß, dass das nicht einfach nur ein Bahnhof ist, sondern eher eine mehrstöckige Verkehrswelt aus Gleisen, Rolltreppen, Glas, Stahl, Menschen und Anzeigen. Für uns war das in dem Moment fast schon die erste kleine Sehenswürdigkeit der Reise. Euphorisch und mit offenem Mund – unter der Maske konnte man das zum Glück ja nicht sehen – machten wir uns auf den Weg zum nächsten Gleis.



Berlin war für uns dabei nur ein Umstieg, aber trotzdem hatte dieser kurze Aufenthalt etwas Besonderes. Man merkt dort sofort, dass man sich an einem Verkehrsknotenpunkt befindet, an dem Menschen in alle Richtungen unterwegs sind. Geschäftsreisende, Familien, Urlauber, Pendler – und mittendrin wir, mit dem Kopf schon halb auf dem Schiff. Unser Anschluss-IC sollte uns weiter nach Warnemünde bringen. Als wir endlich im Zug saßen, fiel ein großer Teil der Anspannung ab. Jetzt mussten wir nur noch durchkommen.sollte.

Ankunft in Warnemünde
Nach insgesamt rund fünf Stunden Zugfahrt hatten wir Warnemünde erreicht. Und dieser Moment war wirklich besonders. Man steigt aus dem Zug, ist noch ein bisschen im Reisestress, zieht den Koffer hinter sich her – und dann liegt da plötzlich die AIDAsol. Für Kreuzfahrt-Neulinge ist das schon ein beeindruckender Anblick. Man hat vorher natürlich Bilder gesehen, vielleicht auch Videos geschaut, aber vor so einem Schiff zu stehen, ist noch einmal etwas ganz anderes.
Warnemünde selbst passte perfekt zu diesem Start. Der Ort hat diese Mischung aus Ostseeurlaub, Hafenflair und maritimer Betriebsamkeit. Die Nähe von Bahnhof, Cruise Center, Wasser und Promenade macht die Ankunft angenehm, weil man sofort merkt: Hier beginnt jetzt wirklich die Reise. Neben der AIDAsol begrüßte uns auch noch ein kleiner Jahrmarkt mit Riesenrad auf der Warnemünder Mittelmole. Das gab dem Ganzen fast etwas Festliches. Als würde der Ort sagen: Schön, dass ihr da seid – jetzt kann der Urlaub anfangen.
Gerade die Mittelmole ist ein schöner Punkt, um erst einmal anzukommen. Man sieht die Schiffe, den Hafenbetrieb, die Möwen, die Fähren und im Hintergrund das typische Ostseegefühl von Warnemünde. Nach der angespannten Bahnfahrt war dieser Blick auf das Schiff wie ein innerer Schalter. Aus “Hoffentlich klappt alles” wurde langsam “Wir sind wirklich hier”.



Check-In und Corona Test

Ein ganz großes „Daumen hoch“ muss ich AIDA für die Organisation des Check-ins und des COVID-PCR-Tests geben. Man durfte hier nicht filmen und fotografieren, was absolut nachvollziehbar war. Aber der Ablauf war wirklich gut getaktet. Gerade weil es unsere erste Kreuzfahrt war und Corona vieles komplizierter machte, waren wir gespannt, ob es chaotisch wird. Wurde es nicht. Im Gegenteil: Es wirkte alles professionell, ruhig und gut organisiert.
Vor dem Betreten des Cruise Centers gaben wir unsere Koffer ab. Allein das war schon ein angenehmer Moment. Man trennt sich vom schweren Gepäck und weiß: Wenn alles klappt, steht der Koffer später vor oder in der Kabine. Danach ging es durch die verschiedenen Stationen. Man hatte nie das Gefühl, irgendwo verloren herumzustehen. Immer war klar, was als Nächstes kommt.
So war der Ablauf im Cruise Center:
- Zum ersten Mal Reiseunterlagen vorzeigen.
- Reiseunterlagen, negative Tests aus der Apotheke und Ausweise vorlegen.
- Temperaturmessung. Aufgrund der Außentemperatur und der körperlichen Anstrengung hatten meine Frau und ich bei der Messung fälschlicherweise „Fieber“ angezeigt bekommen. Die manuelle Messung ergab dann aber, dass alles in Ordnung ist.
- Testergebnis aus der Apotheke vorzeigen und Röhrchen mit Testflüssigkeit für den PCR-Test bekommen.
- PCR-Test mit Rachen- und Nasenabstrich.
- Foto für die Bordkarte.
- Bordkarte erhalten, inklusive Timeslot für die Kurz-Quarantäne an Bord.
- Security-Check mit Handgepäck- und Körperscan, ähnlich wie am Flughafen.
- An Bord gehen und mit der Bordkarte einchecken.
Jetzt waren wir offiziell Gäste der AIDAsol. Das Gefühl war schwer zu beschreiben: Einerseits war da noch diese Corona-Situation mit Test, Maske, Abstand und Kurz-Quarantäne. Andererseits standen wir nun wirklich auf dem Schiff. Für uns ging es direkt in die Kabine 7116, die wir für knapp zwei Stunden nicht verlassen durften, bis das Testergebnis vorlag. Das klingt im ersten Moment vielleicht nervig, war für uns aber gar nicht so schlimm. Im Gegenteil: Es war eine gute Gelegenheit, erst einmal in Ruhe anzukommen.
Wir konnten die Kabine erkunden, den Balkon testen, die ersten Sachen sortieren und diesen besonderen Moment sacken lassen. Wenn ihr wissen möchtet, wie die Kabine ausgestattet war, schaut euch gerne unser YouTube-Video dazu an. Für uns war die Kabine jedenfalls direkt ein wichtiger Teil des Kreuzfahrtgefühls. Gerade der Balkon war Gold wert. Man hat seinen eigenen kleinen Rückzugsort, kann aufs Wasser schauen, Fotos machen oder einfach mal ein paar Minuten durchatmen.


Nach der „Seenotrettungsübung“ ging es los
Nach knapp zwei Stunden kam die erlösende Ansage vom Kapitän: Unsere Gruppe durfte die Kabine verlassen. Damit war auch die letzte innere Hürde genommen. Das Testergebnis passte, wir waren frei, das Schiff zu erkunden. Vorher stand noch die verpflichtende Seenotrettungsübung an. Auch hier merkte man, dass die Abläufe eingespielt waren. Es dauerte nur wenige Minuten und danach konnten wir uns endlich richtig umsehen.
Für uns als Kreuzfahrt-Neulinge war die erste Runde über die AIDAsol natürlich spannend. Wo ist welches Restaurant? Wie kommt man aufs Sonnendeck? Wo ist das Theatrium? Wo sind die Bars, die Shops, die Aufzüge? Am Anfang läuft man ein bisschen wie in einem schwimmenden Labyrinth herum, aber genau das macht Spaß. Überall entdeckt man etwas Neues. Ein Deckplan ist dabei wirklich hilfreich, aber nach ein paar Wegen bekommt man langsam ein Gefühl für das Schiff.
Die AIDAsol wirkte auf uns groß, aber nicht erschlagend. Sie hatte genug zu entdecken, ohne dass man sich völlig verloren fühlte. Besonders das Sonnendeck zog uns direkt an. Frische Luft, Wasserblick, Liegen, Poolbereich – da versteht man sofort, warum viele Menschen Kreuzfahrten lieben. Man muss gar nicht ständig Programm haben. Manchmal reicht es schon, irgendwo zu stehen, über die Reling zu schauen und zu realisieren: Wir sind jetzt auf See unterwegs.




Ablegen – Das Highlight einer Kreuzfahrt

Auf diesen Moment hatten wahrscheinlich alle an Bord gewartet: das Ablegen aus Warnemünde. Und ja, ich kann es direkt sagen: Das war ein echter Gänsehautmoment. Man kann das in Videos zeigen, man kann es beschreiben, man kann Fotos machen – aber dieses Gefühl, wenn sich so ein großes Schiff langsam vom Hafen löst, muss man selbst erleben.
Warnemünde ist dafür ein besonders schöner Startpunkt. Man fährt nicht einfach irgendwo aus einem Industriehafen heraus, sondern hat den Ort, das Wasser, die Mole, die Menschen am Rand und die Ostsee direkt vor sich. Wenn dann das Typhon ertönt, die Leute winken und das Schiff langsam Fahrt aufnimmt, ist das ein Moment, der sich einbrennt. Für uns war es der Augenblick, in dem die Reise endgültig begann.
Vorher war alles noch Organisation: Test, Zug, Check-in, Kabine, Seenotrettungsübung. Ab dem Ablegen war es Urlaub. Man steht an Deck, schaut zurück auf Warnemünde, sieht den Hafen kleiner werden und merkt, dass der Alltag gerade an Land bleibt. Genau deshalb ist das Ablegen für mich eines der stärksten Argumente für Kreuzfahrten. Es ist kein normaler Start in den Urlaub. Es ist ein kleines Ritual.
Schaut euch dazu auch gerne unser Video an. Gerade die Stimmung lässt sich dort noch einmal viel besser einfangen.
Der erste Abend, die erste Nacht
Nach diesem unfassbar schönen Ablege-Moment ging es für uns weiter auf Entdeckungstour über die AIDAsol. Der erste Abend an Bord fühlt sich ein bisschen so an, als würde man in ein neues Zuhause auf Zeit einziehen. Man weiß noch nicht genau, wo alles ist, aber man freut sich über jede Ecke, die man entdeckt. Gleichzeitig hat man Hunger, Durst und möchte natürlich wissen, wie das Essen an Bord ist.
Für unser erstes Abendessen entschieden wir uns für das Bella Donna. Bei Sonne und Meerblick wurden wir dort mit einem leckeren Menü verwöhnt. Gerade dieses Zusammenspiel aus Essen und Ausblick macht an Bord viel aus. Zuhause ist ein gutes Essen schön. Auf einem Kreuzfahrtschiff, während draußen das Meer vorbeizieht, bekommt selbst ein einfacher Gang noch einmal eine andere Wirkung.
Das Bella Donna hatte für uns direkt eine angenehme Atmosphäre. Es war nicht steif, nicht übertrieben, sondern genau passend für den ersten Abend. Man sitzt da, probiert sich durch die Gerichte, redet über die Anreise, über das Ablegen und darüber, dass man jetzt wirklich auf der AIDAsol unterwegs ist. Nach dem Stress am Morgen war das Essen fast schon der erste tiefe Ausatmer des Tages.
Absolut zufrieden und gesättigt ging es anschließend ins Theatrium. Dort hielt Kapitän Jörg Miklitza seine Ansprache und die Entertainment-Crew begrüßte die Gäste der AIDAsol. Das Theatrium ist auf den AIDA Schiffen ein zentraler Treffpunkt. Man merkt schnell: Hier passiert viel. Shows, Ansprachen, Musik, kleine Programmpunkte – es ist so etwas wie das Wohnzimmer des Schiffs, nur eben über mehrere Decks.




Für uns war es spannend, dieses Bordleben zum ersten Mal zu erleben. Man schaut sich um, beobachtet andere Gäste, hört der Crew zu und versucht, die Atmosphäre aufzusaugen. Gleichzeitig war durch Corona natürlich manches anders. Nicht alles war so frei und ausgelassen, wie man es vielleicht aus älteren Reisevideos kannte. Trotzdem kam Stimmung auf. Gerade nach den Monaten voller Einschränkungen tat es gut, überhaupt wieder gemeinsam mit anderen Menschen etwas erleben zu können.


Den Abend ließen wir später auf dem Sonnendeck ausklingen. Sonnenuntergang, Musik, ein paar kühle Getränke und die Weite des Meeres – viel mehr braucht es manchmal nicht. Gerade am ersten Abend war dieser Mix aus Aufregung und Entspannung perfekt. Man ist noch voller Eindrücke, aber langsam setzt diese angenehme Müdigkeit ein, die man nur nach einem langen Reisetag kennt.




Ein letztes Highlight für den Tag
Wer glaubt, dass es das für den ersten Tag war, der irrt. Kapitän Jörg Miklitza kündigte schon am Abend an, dass wir etwa um Mitternacht die Große-Belt-Brücke, also die Storebæltsbroen, erreichen und unterfahren würden. Natürlich wollten wir uns das nicht entgehen lassen. Also hieß es: wach bleiben.
Die Storebæltsbroen verbindet in Dänemark die Inseln Fünen und Seeland und ist ein beeindruckendes Bauwerk. Für uns war aber weniger die technische Seite entscheidend, sondern das Erlebnis. Nachts auf dem eigenen Balkon stehen, die kühle Luft spüren, unter einem riesigen Brückenbauwerk hindurchfahren und dabei nur das Meer, das Schiff und die Lichter sehen – das hat schon etwas Magisches.
Genau solche Momente sind es, die man bei einer Kreuzfahrt nicht komplett planen kann, die aber am Ende besonders hängen bleiben. Es ist nicht immer der große Programmpunkt oder der bekannteste Ort. Manchmal ist es eine halbe Stunde mitten in der Nacht auf dem Balkon, während draußen ein Bauwerk langsam näherkommt und wieder hinter einem verschwindet.

Wir besuchen Göteborg
Meine Befürchtung war, dass ich in der Nacht kein Auge zubekomme. Einerseits wegen des Seegangs, andererseits wegen der fremden Umgebung. Doch genau das Gegenteil war der Fall: Wir haben geschlafen wie die Murmeltiere. Vielleicht lag es sogar an dem leichten Schaukeln, das uns eher in den Schlaf gewogen hat, statt zu stören. So waren wir für den Besuch in Göteborg ordentlich ausgeruht.
Der Morgen begann mit einem reichhaltigen Frühstück im Markt Restaurant. Das ist auf so einer Reise direkt ein kleiner Luxusmoment: Man wacht auf, zieht sich fertig an und muss sich um nichts kümmern. Kein Frühstück machen, kein Tisch decken, kein Abwasch. Einfach hingehen, auswählen und genießen. Gerade vor einem Landgang ist das perfekt, denn man weiß ja nie genau, wann es unterwegs wieder etwas gibt.
In der Zwischenzeit hatte die AIDAsol in Göteborg angelegt und die ersten Ausflüge konnten starten. Wir mussten noch etwas warten und machten es uns derweil auf dem Sonnendeck in einem Strandkorb gemütlich. Schweden begrüßte uns an diesem Freitag mit strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und 29,5 Grad. Damit hatten wir wirklich Glück. Göteborg kann auch rau, windig und nass sein – wir bekamen die Sommer-Postkarten-Version.
Schon vom Schiff aus war Göteborg spannend. Es ist keine Stadt, die einen direkt mit klassischer Altstadtromantik erschlägt, sondern eher eine lebendige Hafenstadt mit Industriegeschichte, moderner Architektur, Wasser, Brücken und grünen Hügeln. Genau diese Mischung macht Göteborg interessant. Man spürt, dass die Stadt vom Hafen geprägt ist, aber gleichzeitig viel Kultur, Cafés, kleine Viertel und entspannte Ecken bietet.
Dann ging es auch für uns los. Mit dem Bus fuhren wir nach Haga, ein Stadtviertel von Göteborg. In die eigentliche Innenstadt beziehungsweise Altstadt durften wir aufgrund der damaligen Corona-Auflagen leider nicht individuell reisen. Das war schade, denn gerade Göteborg hätte man gerne auf eigene Faust erkundet. Haga war aber dennoch ein schöner Einstieg.
Haga gehört zu den älteren und charmanten Vierteln Göteborgs. Typisch sind die gepflasterten Straßen, die niedrigen Häuser, kleine Geschäfte und Cafés. Das Viertel hat einen ganz eigenen Charakter: weniger Großstadtstress, mehr gemütliches Schlendern. Man kann sich gut vorstellen, hier mit mehr Zeit einfach durch die Straßen zu laufen, irgendwo einen Kaffee zu trinken und die bekannten schwedischen Zimtschnecken zu probieren. Genau solche kleinen Dinge fehlten uns durch die festen Corona-Regeln leider ein wenig.
Vor Ort bekamen wir eine kleine geführte Tour, bei der man uns einiges zum Viertel und zur Stadt erzählte. Unter anderem ging es auch um Skansen Kronan, eine ehemalige Festung auf einem Hügel. Und genau dort wurde es sportlich. Für den Ausblick mussten wir knapp 200 Treppenstufen nach oben. Bei fast 30 Grad war das kein Spaß. Wirklich nicht. Da merkt man schnell, dass Sightseeing auch mal ein kleines Workout sein kann.
Aber der Aufstieg lohnte sich. Von Skansen Kronan hat man einen großartigen Blick über Göteborg. Man sieht Dächer, Kirchtürme, Straßen, Grünflächen und bekommt ein viel besseres Gefühl für die Lage der Stadt. Gerade wenn man nur wenig Zeit hat, sind solche Aussichtspunkte Gold wert. Man läuft nicht nur durch ein Viertel, sondern kann die Stadt von oben einordnen. Und natürlich ist es auch ein perfekter Punkt für Fotos.


Skansen Kronan selbst wirkt dabei wie ein stiller Zeuge der Stadtgeschichte. Die Festung steht dort oben massiv und rund, etwas abseits vom Trubel. Man spürt, dass dieser Ort früher eine Schutzfunktion hatte, heute aber vor allem Aussicht, Geschichte und Atmosphäre bietet. Für uns war es trotz Hitze einer der stärksten Momente des Landgangs.






Nach dem weniger anstrengenden, aber dennoch nicht weniger steilen Abstieg zum Bus konnten wir noch ein paar Minuten verschnaufen. Danach ging es mit dem Bus weiter durch Göteborg. Genau hier lag für mich ein kleiner Widerspruch dieser Tour. Einerseits war es schön, überhaupt etwas von Göteborg zu sehen. Andererseits sahen wir viele Orte nur durch die Scheibe. Man bekommt Eindrücke, aber man kann sie nicht richtig erleben.







Bei einer Stadt wie Göteborg ist das besonders schade. Denn sie lebt nicht nur von einzelnen Sehenswürdigkeiten, sondern von Stadtgefühl: Wasserläufe, Brücken, Straßenbahnen, Cafés, Parks, kleine Läden und diese entspannte skandinavische Art. Aus dem Bus heraus sieht man davon Fragmente. Man kann sagen: “Da waren wir.” Aber man kann nicht wirklich sagen: “Wir haben die Stadt kennengelernt.”




Fazit / Meine Meinung zum Ausflug nach Göteborg
Auch wenn diese Tour auf jeden Fall eine schöne Abwechslung war, gab es ein paar Punkte, die mich gestört haben beziehungsweise die bei mir Fragen aufwarfen. Zum einen fand ich es fraglich, dass wir nur einen Stadtteil besuchen durften. In Videos anderer Ausflüge sah man, dass dort verschiedene Sehenswürdigkeiten angesteuert wurden, während wir vieles nur aus dem Bus heraus sehen konnten. Zum anderen fiel auf: In Göteborg trug kaum jemand der Einheimischen eine Maske, nicht einmal in Geschäften und Cafés. Da stellte sich natürlich die Frage, warum die Auflagen für uns als Kreuzfahrtgruppe so streng waren.
Gleichzeitig muss man fair bleiben. Ursprünglich waren Landgänge für diese Ahoi-Touren wohl gar nicht in dieser Form geplant. Insofern war Göteborg für uns auch ein Bonus. Und genau deshalb will ich mich nicht zu sehr beschweren. Wir haben etwas gesehen, wir waren in Schweden, wir hatten traumhaftes Wetter und konnten zumindest ein wenig Göteborg-Luft schnuppern.
Trotzdem hätte ich den lokalen Geschäften und Cafés gerne noch ein paar Touristen-Euro gegönnt. Gerade Haga hätte dazu eingeladen. Ein Kaffee, eine schwedische Zimtschnecke, ein bisschen Zeit in einem kleinen Laden – das hätte den Ausflug abgerundet. So blieb ein kleiner Beigeschmack: schön, aber kontrolliert. Erlebnis, aber mit angezogener Handbremse.
Zurück an der AIDAsol wurde noch einmal Fieber gemessen und dann ging es wieder an Bord. Auch hier lief alles geordnet ab. Nach der Hitze und dem Treppenprogramm waren wir aber ehrlich gesagt auch froh, wieder auf dem Schiff zu sein. Klimatisierte Bereiche, kalte Getränke und die Aussicht auf Kaffee und Kuchen hatten plötzlich einen ganz eigenen Reiz.


Den Kaffee und Kuchen holten wir uns dann eben an Bord. Danach ging es vor dem Abendessen noch auf einen kühlen Drink in die AIDA Bar. Genau das ist einer dieser Kreuzfahrtvorteile: Auch wenn ein Ausflug nicht perfekt läuft, wartet das Schiff danach wieder mit Komfort, Essen, Getränken und Rückzugsorten. Man muss nicht noch lange durch eine fremde Stadt zum Hotel zurück, sondern ist direkt wieder „zuhause“.




Zum Abendessen hatten wir uns an diesem Tag das EAST Restaurant ausgesucht. Dort gefiel es uns sehr gut. Besonders die Restaurant-Empfehlungen, eine scharfe Suppe, deren Name mir leider entfallen ist, und das Thai Curry waren wirklich lecker. Nach einem heißen Tag in Göteborg passte das perfekt. Etwas Würze, etwas Abwechslung, dazu die entspannte Stimmung an Bord.
Das EAST brachte noch einmal eine andere Geschmacksrichtung in die Reise. Während das Bella Donna am ersten Abend eher mediterran und klassisch wirkte, fühlte sich das EAST etwas lebhafter und würziger an. Genau diese Auswahl macht so eine Kreuzfahrt angenehm: Man muss nicht jeden Abend dasselbe Restaurant besuchen, sondern kann sich treiben lassen und je nach Laune entscheiden.



Nach dem Essen haben wir uns umgezogen und Justin nutzte die Chance, noch ein paar Minuten den absolut leeren Pool auf dem Sonnendeck zu genießen. Tagsüber war der Pool wegen des traumhaften Wetters vor Göteborg ziemlich voll gewesen. Abends, wenn viele beim Essen oder im Programm waren, sah das ganz anders aus. Für ihn war das natürlich perfekt.


Ein schöner Tagesabschluss war anschließend das Ablegen aus Göteborg. Wenn ein Schiff bei Sonnenuntergang den Hafen verlässt, hat das noch einmal eine ganz andere Stimmung als am Tag. Das Licht wird weicher, die Stadt verschwindet langsam im Hintergrund und man hat das Gefühl, ein kleines Kapitel der Reise zu schließen. Tagsüber Schweden, abends wieder Meer. Genau dieser Wechsel macht Kreuzfahrt so reizvoll.
Als Abendprogramm legte DJ Marcus auf. Mit vielen coolen Remixes heizte er die Stimmung ordentlich an. Einige ließen sich sogar dazu hinreißen, das Tanzbein zu schwingen. Das wurde allerdings recht schnell mit der Bitte unterbunden, dies zu lassen. Leider war diese Art von Party damals aufgrund der Corona-Schutzauflagen noch nicht gestattet.
Das war schon ein bisschen schade. Man merkte, dass die Leute Lust hatten. Nach langer Zeit voller Einschränkungen wollten viele einfach mal wieder feiern, tanzen, loslassen. Gleichzeitig konnte man AIDA hier keinen echten Vorwurf machen, denn die Regeln mussten eingehalten werden. Für uns blieb es trotzdem ein Abend mit guter Musik, schöner Stimmung und diesem besonderen Gefühl, nachts auf einem Schiff unterwegs zu sein.




Noch hell um 23 Uhr
Man merkt die Jahreszeit in Schweden, denn dieses Bild ist von genau 23 Uhr und zeigt, wie hell der Himmel auch zu dieser Uhrzeit noch war. Für uns war das ein kleiner Wow-Moment. In Deutschland kennt man lange Sommerabende natürlich auch, aber so weit im Norden fühlt sich das Licht noch einmal anders an. Es ist spät, der Tag müsste eigentlich längst vorbei sein, aber der Himmel wirkt immer noch wach.
Solche Eindrücke machen Reisen für mich aus. Es sind nicht immer die großen Programmpunkte, sondern manchmal einfach ein Blick auf den Himmel, eine andere Lichtstimmung oder ein Moment, in dem man merkt: Ich bin gerade woanders. Göteborg hat uns an diesem Tag mit Hitze, Sonne und langem Abendlicht überrascht. Für eine erste Schnupper-Kreuzfahrt war das schon ziemlich stark.

Am Seetag vorbei an Kopenhagen
Der letzte volle Tag war ein reiner Seetag. Nach Warnemünde, der Anreise, dem ersten Abend und Göteborg war das genau richtig. Ein Seetag hat einen eigenen Rhythmus. Man muss nirgendwo hin, muss keinen Bus erwischen, keine festen Ausflugszeiten im Kopf behalten und kann das Schiff einfach als Urlaubsort nutzen. Vorbei an Kopenhagen machte die AIDAsol noch einmal einen Schlenker und dann ging es langsam zurück Richtung Warnemünde.
Kopenhagen nur aus der Ferne zu sehen, ist natürlich nicht dasselbe wie ein richtiger Besuch. Trotzdem war es schön, auf der Route noch einmal dieses Gefühl zu bekommen, an bekannten Orten vorbeizuziehen. Dänemark, Ostsee, Küstenlinien, andere Schiffe – man hat immer etwas zu schauen. Gerade auf dem Balkon oder an Deck merkt man, wie entspannend es sein kann, wenn nicht jede Minute mit Programm gefüllt ist.







Wir haben den Tag noch einmal voll ausgekostet. Vom Sonnenbad auf unserem Balkon über das Anschauen einer Kunstauktion bis zum Shoppen in den Geschäften war alles dabei. Das Pooldeck war morgens schon gut belegt, wie man es vom traditionellen deutschen Urlauber kennt. Also machten wir es uns lieber auf dem Balkon gemütlich. Rückblickend vielleicht etwas zu gemütlich, denn der Sonnenbrand ließ grüßen.
Eine Kunstauktion auf einem Schiff war für uns ebenfalls interessant. Nicht unbedingt, weil wir mit dem festen Plan unterwegs waren, Kunst zu kaufen, sondern weil es Teil des Bordlebens ist. Man schaut sich das an, hört zu, beobachtet die Dynamik und nimmt wieder eine neue Facette des Schiffs mit. Genau das mag ich an solchen Tagen: Man probiert Dinge aus, die man zuhause vielleicht nie machen würde.
Auch die Shops an Bord gehören für viele irgendwie dazu. Ein bisschen stöbern, vielleicht ein Souvenir mitnehmen, mal schauen, was es gibt. Natürlich ist nicht alles ein Schnäppchen, aber das muss es auch nicht immer sein. Man ist im Urlaub, lässt sich treiben und freut sich über Kleinigkeiten.



Nach dem Sonnenbad ging es noch einmal ins EAST Restaurant. Hier gönnten wir uns wieder das gesamte Programm: pikantes Ofengemüse und Garnelen, Schweinebraten mit Apfelrotkohl und Kartoffelklößen und zum Abschluss noch ein Bananentörtchen und Schokoladeneis. Ja, man kann auf einer Kreuzfahrt sehr diszipliniert essen. Man kann es aber auch lassen. Wir haben uns an diesem Tag klar für Variante zwei entschieden.
Gerade an einem Seetag wird Essen noch mehr zum Programmpunkt. Man nimmt sich Zeit, probiert aus, sitzt länger zusammen und genießt, dass der Tag nicht von Ausflugszeiten bestimmt wird. Für uns war das einer dieser Momente, in denen man merkt: Kreuzfahrt ist nicht nur der Zielhafen, sondern auch das Leben dazwischen.



Als kleines Schmankerl zwischendurch gab es Rumkugeln zu einer Tasse Kaffee. Und natürlich durfte der obligatorische Drink in der Bar nicht fehlen. Diesmal probierte ich den DODO und er war wirklich lecker. Solche kleinen Rituale entwickeln sich auf einer Reise erstaunlich schnell. Der Kaffee am Nachmittag, der Drink an der Bar, der Blick vom Balkon – nach nur wenigen Tagen fühlt sich das schon nach vertrautem Ablauf an.




Auf dem Rückweg nach Warnemünde konnte man von unserem Balkon noch einmal die dänischen Kreidefelsen Møns Klint entdecken, wie vorher auch schon vom Kapitän angekündigt. Das war noch einmal ein schönes Natur-Highlight auf der Rückfahrt. Møns Klint ist bekannt für seine hellen Kreideklippen, die steil zur Ostsee abfallen. Aus der Entfernung wirkt das natürlich anders als bei einem Besuch an Land, aber gerade vom Schiff aus hat dieser helle Streifen an der Küste eine besondere Wirkung.
Für mich war das ein gutes Beispiel dafür, dass man auf See nie ganz „nichts“ erlebt. Selbst an einem Seetag gibt es Landschaft, Licht, Wetter, Küstenlinien und besondere Punkte, auf die der Kapitän aufmerksam macht. Man muss nur hinschauen. Und genau dafür ist ein Balkon natürlich perfekt.

Das Abendessen war noch einmal ein grandioser Abschluss. Danach war Wellness angesagt. Wir hatten zwei Stunden den Saunabereich allein für uns und in der Wellnessoase konnte man noch in einem leeren Whirlpool relaxen. Nach Sonne, Seetag, Essen und vielen Eindrücken war das quasi das Sahnehäubchen des Tages.
Gerade der Wellnessbereich fühlte sich wie ein kleiner Luxusmoment an. Während draußen die Ostsee vorbeizog, sitzt man in der Sauna oder im Whirlpool und lässt den Tag ausklingen. Es war ruhig, entspannt und ein schöner Kontrast zum lebhaften Bordprogramm. Für uns war das eine perfekte Entscheidung, auch wenn wir dadurch die Prime Time im Theatrium nicht live sehen konnten.



Gegen 23 Uhr nahm der Seegang noch einmal deutlich zu. Vorher hatten wohl starker Wind und Unwetter die See etwas aufgewühlt. Ich nahm zur Nacht prophylaktisch eine Reisetablette, da mir ohnehin schon etwas schwummerig war. Das konnte allerdings auch an der vielen Hitze gelegen haben: erst Sonnenbad mit Sonnenbrand, danach Sauna und dazu ein langer Tag an Bord. Der Körper meldet sich irgendwann.
Im Bett schauten wir uns die Wiederholung der Verabschiedung in der Prime Time an, dem täglichen Abendprogramm im Theatrium. Kapitän Jörg Miklitza ließ dort noch einmal die Reise Revue passieren. Leider konnten wir das nicht live sehen, weil wir zu dieser Zeit den Wellnessbereich gebucht hatten. Aber auch als Wiederholung war es ein schöner Abschluss. Man merkt dann langsam, dass die Reise ihrem Ende entgegengeht.
Die Nacht verlief etwas schaukeliger, aber ruhig. Und als wir wieder wach wurden, liefen wir gerade in den Hafen von Warnemünde ein. Das ist auch so ein besonderer Kreuzfahrtmoment: Man schläft auf See ein und wacht im Hafen wieder auf. Draußen wird es langsam geschäftig, Land ist wieder da und die Reise verwandelt sich zurück in Alltag.
Unser grobes Fazit zur Ahoi-Tour: traumhaft. Die Reise hat uns Lust auf mehr gemacht – oder besser gesagt: Lust auf Meer. Für eine erste Kreuzfahrt war diese Tour genau richtig. Kurz genug, um sich vorsichtig heranzutasten, aber intensiv genug, um zu merken, ob einem diese Art zu reisen liegt. Uns lag sie. Sehr sogar.
Natürlich war durch Corona nicht alles so frei, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Der Landgang in Göteborg war eingeschränkt, Party und Tanz waren nur bedingt möglich und Tests gehörten zur Reise dazu. Aber trotzdem überwog ganz klar das Positive: die Organisation, das Schiff, das Essen, das Ablegen, Göteborg, der Seetag, die Brücke, der Blick auf Møns Klint und diese vielen kleinen Momente dazwischen.
Wir haben direkt neu gebucht. Neben der Kreuzfahrt im November auf der AIDAperla sollte es im Jahr 2022 wieder mit AIDA losgehen – dann mit dem damals noch ganz jungen Flaggschiff, der AIDAcosma. Das sagt eigentlich alles. Aus einer Schnupper-Kreuzfahrt wurde der Start in etwas, das uns als Familie richtig gepackt hat.
Was wir aus dieser ersten Kreuzfahrt mitgenommen haben
Rückblickend war diese Reise für uns viel mehr als nur eine kurze Tour nach Göteborg. Sie war ein Test, ob diese Art Urlaub zu uns passt. Und genau dafür war sie ideal. Vier Tage sind überschaubar. Man muss nicht direkt zwei Wochen buchen, wenn man noch gar nicht weiß, ob man Seegang verträgt, ob einem das Leben an Bord gefällt oder ob man sich auf einem Schiff eingeengt fühlt. Für uns war ziemlich schnell klar: Das passt.
Besonders positiv überrascht hat mich, wie schnell man an Bord in einen eigenen Rhythmus kommt. Am Anfang ist alles neu: Bordkarte, Kabinennummer, Decks, Restaurants, Zeiten, Ansagen. Doch schon nach einem Tag bewegt man sich deutlich sicherer über das Schiff. Man weiß, wo man gerne sitzt, welche Wege praktisch sind und welcher Ort sich für einen Kaffee, ein Foto oder ein paar Minuten Ruhe eignet. Diese Mischung aus Entdecken und Vertrautwerden hat uns sehr gefallen.
Auch die Kabine mit Balkon würde ich für so eine Reise jederzeit wieder nehmen. Natürlich kann man auf einer Kurzreise auch mit einer Innen- oder Meerblickkabine auskommen. Aber gerade bei den Corona-Auflagen, der Kurz-Quarantäne nach dem Check-in, der Fahrt unter der Storebæltsbroen und dem Blick auf Møns Klint war der Balkon für uns ein echter Mehrwert. Er war Rückzugsort, Aussichtspunkt und kleines privates Sonnendeck in einem.
Was man bei so einer Reise nicht unterschätzen sollte, ist die Anreise. Unsere Bahnfahrt hat gezeigt, wie schnell ein eigentlich guter Plan ins Wackeln geraten kann. Beim nächsten Mal würden wir bei einer längeren Kreuzfahrt wahrscheinlich noch entspannter planen und eventuell einen Tag früher anreisen. Gerade wenn das Schiff nicht auf einen wartet, nimmt eine Vorübernachtung viel Druck raus. Für diese kurze Tour hat am Ende alles geklappt, aber der Stress am Morgen hätte wirklich nicht sein müssen.
Göteborg selbst hat bei uns trotz der Einschränkungen Interesse geweckt. Haga und Skansen Kronan waren schön, aber eben nur ein Ausschnitt. Ich würde die Stadt gerne noch einmal ohne feste Gruppe, ohne Corona-Regeln und mit mehr Zeit erleben. Einfach durch die Straßen laufen, am Wasser entlang, in ein Café setzen, vielleicht den Hafenbereich anschauen und auch die moderneren Seiten der Stadt entdecken. Genau das ist für mich auch ein schöner Effekt einer Kreuzfahrt: Man bekommt einen ersten Eindruck und merkt danach, welche Orte man später noch einmal intensiver besuchen möchte.
Der Seetag war für uns ebenfalls wichtig. Viele schauen bei Kreuzfahrten zuerst auf die Zielhäfen. Das habe ich vorher auch gemacht. Aber nach dieser Reise verstehe ich besser, warum Seetage für viele ein Highlight sind. Sie geben der Reise Luft. Man hetzt nicht von Programmpunkt zu Programmpunkt, sondern genießt das Schiff, das Essen, den Balkon, den Blick aufs Wasser und die kleinen Dinge. Gerade nach einem Ausflugstag ist das angenehm.
Natürlich war nicht alles perfekt. Die Einschränkungen beim Landgang, das nicht mögliche Tanzen am Abend, die ständige Präsenz von Tests und Regeln – das gehörte damals zur Realität. Aber für uns hat AIDA aus diesen Bedingungen sehr viel herausgeholt. Der Check-in war professionell, die Abläufe wirkten sicher und das Bordgefühl kam trotzdem auf. Gerade deshalb bleibt die Reise bei uns so positiv hängen.
Wenn mich heute jemand fragen würde, ob so eine kurze Ahoi-Tour als Einstieg geeignet ist, wäre meine Antwort klar: Ja. Man bekommt einen guten Eindruck vom Schiff, vom Ablauf, vom Essen, vom Bordleben und vom Gefühl auf See. Man sollte nur nicht erwarten, dass ein kurzer Landgang unter besonderen Auflagen eine Stadt komplett erlebbar macht. Dafür ist die Zeit schlicht zu knapp. Als Appetithappen funktioniert es aber hervorragend.
Unser persönlicher Lieblingsmoment? Schwer zu sagen. Das Ablegen aus Warnemünde war ganz vorne dabei. Die Fahrt unter der Storebæltsbroen ebenfalls. Göteborg bei fast 30 Grad war besonders, auch wenn der Ausflug eingeschränkt war. Und der Wellnessabend am letzten Tag war ein traumhafter Abschluss. Am Ende war es vermutlich die Summe dieser Momente, die uns überzeugt hat. Nicht ein einzelnes Highlight, sondern dieses Gefühl, mehrere kleine Urlaubsgeschichten in nur vier Tagen erlebt zu haben.
Wir freuen uns drauf!
Hier findet ihr noch einmal eine Auflistung der Videos zu unserer Kreuzfahrt mit der AIDAsol:
- Ein kurzer Rundgang in der Kabine 7116: https://youtu.be/fdFyBuLSO8M
- Das Ablegen aus Warnemünde mit Typhonieren: https://youtu.be/CeMoshJ8nPo
- Das Hauptvideo vom gesamten Trip: https://youtu.be/d-0aOfKTzU4

